Sie und Er

Sie leben nur noch auf Kriegsfuß. Die Angst aber auch der Ehrgeiz sitzen Ihnen im Nacken. Sie können nichts dafür. Sie sind so geworden.

Gemacht worden.

Macht wurde.

Ungelehrig.

Die Bibel unterm Arm, wollen sie ihrem Eid standhalten. Bis aufs Blut hält jeder an ihm fest. Das Blut befeuert Leidenschaft. Aber eine Leidenschaft, die Leiden schafft. Leiden, die einen destruktiven Kern inne tragen. Die sich nicht gut anfühlt. Die, auf Zerstörung hinaus ist.

Verlangen nach Achtsamkeit. Nach Achtung. Nach Respekt und Aufmerksamkeit. Eine Sehnsucht, dessen Flamme beständig auf kleinster Flamme lodert, aber es nie weit hoch schafft. Nur Millimeter. Ein Marathon. Ein Marathon im Schmerz.

„Liebe ist übertrieben. Da ist rein gar nichts mehr“ 

(Herbert Grönemeyer).

Die Fassade bröckelt. Und sie bröckelt immer mehr. 

Sie verspürt dadurch mehr leben, er nicht mehr. Er verspürt Scham, weil er sich zeigen muss. Sie verspürt Leben, weil Sie sich zeigen muss.

Nacktheit. Nacktheit der Seele. Bedingungslose Selbstakzeptanz.

Euphorie vor sich selbst spüren dürfen.

Kein wabern. Kein stoisches Ertragen. Die Zeit absitzen. Zeitverschwendung. Gedankenleere.

Sie redet ihm nach dem Mund. Schließlich hat er sie in der Hand. Er spielt seine Macht aus und versetzt sie so in einen Dauerzustand der Angst. Immer an der Schwelle zur Angst. Angst schüren. Das macht ihn scharf. Das füllt ihn auf. Die Destruktivität hineingeben, um eben nachgefüllten restlichen Quäntchen von Leben auszusaugen. Sich einzuverleiben. Sich darin zu baden.

Nur ist es ein destruktives Duschbad. Das wird nicht vollständig befriedigen. Es wird weiterhin an der Oberfläche wabern. Wie eine nicht enden wollende Geilheit.

Unbefriedigt mit Verdruss. Aber zu angstvoll sich selbst dem Leben hinzugeben. Denn dort lauert der eigene Verlust.

Tag um Tag. Monat um Monat. Jahr um Jahr.

Sie ertragen sich. Sie lieben sich nicht. Sie hassen sich eher. Aber auch das bezeichnet ihre Beziehung nicht vollständig. Es ist vielmehr eine gemeinsame Existenz. Genauso wie der Kapitalismus uns unsere materiellen Güter aufzählen lässt, so ist auch diese Beziehung ein Element darunter. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Sinnlosigkeit macht sich breit.

Ein Lob auf die Freiheit. Die Freiheit der Ungebundenheit. Die Freiheit des freien Geistes und des Mundes. Der Gedanken und Gefühle. Ein Lob auf den Körper. Der sich nicht erpressen lässt. Der rein ist und auf ewig bleiben wird. Er ist unkontrollierbar. Ein wildes Pferd. Ungezähmt und eigenwillig. Die einzige Macht der Individualität. Der Selbstschutz vor der Zerstörung der Selbstachtung des Menschen.

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