wetterwohersage: schreibgestöber

  in der ferne seh ich’s nahen,
sturmeswolken der neuronen-
blitz trifft krell die augen meine
rollen sich nach hinten unten
wo dann jetzt wie wer ich weiß nicht
mehr als damals schon kriecht altes
leiden von den beiden händen
und den lenden will’s abwenden
oh die worte schießen quer zum
sinnlos trefft schon rein ins schwarze!
 
  dunkel ist’s geworden
ein gedankensprung hinab
ins alt bekannte lebensgrab
nur einen fingerbreit entfernt
und um mich rum dreht schneller pocht
das herz und atem gib mir luft ich muss
und denk und ach ich nein wohin?
 
  schon da.
 
  nun bin ich wieder dort – vertrauter ort – mit mir allein
will ich nicht sein allein bin ich und will es
nicht nur dir bin ich oft fremd gegang
die zweite tür dann rechts entlang-
sam wird’s verwirrend mir.
 
  auf einmal wird es schwindelnd mir
wird schlecht als recht so schlecht ist mir
ist schwindelnd hier bin ich bei dir
was mach ich hier es zieht mich her
du trägst die schuld nicht wahr es noch
so schön es noch so schön.
 
  wann war es wahr, dass es mal war so schön?
allein geh ich noch ein
-mal dreht das ich sich um zum wir.
wie hab‘ ich mich verirrt ins hier?
 
  wo denk ich hin und her
an scham und lippenküsse
streichelnd zart den hals erstreichelnd
hart am haar vorbei so hart
so weich, so zart, verzagt und schüttelfrostig ist es hier
der tagtraum wärmt den panikraum
durchfleucht ein lufthaufatmen tut so gut.
am horizonte klart es schon gesehen?
 
  liebt sie mich, so liebt sie dich,
denn du bist teil vom ich in mir
und ich bin hier so bin ich dir
sehr dankbar deiner worte
allein mit dir bin ich mit mir allein.
 
  denn in mir ist ein bild von dir hab‘ ich ein bild
von uns ein bild mir ein-mal mehr, so muss es sein,
einmal mehr den berg hinauf steig ich mit uns im arm daran ist nur:
ich schlepp es jeden tag erneut den berg hinauf geht es sich schwer.
jeden tag erneut den selben berg hinauf geht’s bald nicht mehr.
 
  nicht ich bin hier im ich bin hier
schon längst nicht mehr gesehen
hast du mich schon lang‘ nicht mehr,
das nackte ich ganz widerlich.
 
  das ich bekommt sein wider-ich.
hallo wie geht’s? naja und selbst?
du weißt ja wie das ist
– nicht wirklich ich
doch doch und noch was
– ja?
du fehltest mir gar sehr.
 
  gedankenkreisel kreiseln rieselnd
rinnen drinnen hinten runter
hinter augen runter reihen
reiseln kreiseln kriselt spritzt so spitz
es itzt das fieber feuert quickelig!
gedankenkreisel kreiselten nur selten aus sich selbst heraus.
 
  wolkenwatten wettern sich
gar dräuend bäumend türmen sich.
tausend taulich tauglich tröpfchen
tummelten und wimmelten,
dann einten sich zu nässlichster gewalt.
 
  ich blick gen himmel, schrei ihn an:
eurer blitze götterwitze,
wolkenritze, wetterflitze
funken mich nicht an!
donner, nimm den kummer mein.
böe, lass das ‚weh dir!‘ sein und weh dir selbst!
den schmerz kenn ich schon lang‘.
wir sind einander brüderlich,
hielten uns gar fürchterlich
unheilvoll verbunden fest am leben.
doch darf ich gehen nicht, nein nein,
solange etwas in mir meint,
ich sei noch nicht bereit.
 
  bin ich noch ich im widerlichen wider-ich?
wann wird aus ich ein du ein mich
ein wir wann wich ich schnell zurück ein stück
kein glück das licht ich flieh es nicht.
es ist das wider-ich im mich!
 
  zerreißen muss es, beißen muss es,
schneisen muss es, schmeißen, will
ausschwitzen oder scheißen
weit verreisen mich verreißen.
 
  nein nein nein, kann nicht sein mein.
wieder schweißen, mich vereinen,
nicht verneinen, neue kraft.
 
  die nacht verbracht, zum tag gemacht,
genug gewacht, die sonne lacht.
und nach dem sturme: farbenpracht.
 
  nichts könnt‘ die freude trüben, wir mir scheint.
egopole zwistigkeit
friede nur auf zeit,
tragikspiel in ewigkeit,
bald ist’s wieder so weit.

  Doch nächstes mal bin ich,
    hoffentlich,
      gefeit.

 

2 Antworten auf „wetterwohersage: schreibgestöber“

  1. Zu “wetterwohersage: schreibgestöber”:
    Hallo und W O W!
    Nach dem Durchlesen streiten mehrere Gefühle in mir: Sollte ich den Autor beglückwünschen, dass er mit seinem Gedicht – oder ist es eine unendliche Geschichte? – den Mut fand, es/sie dieser Form niederzuschreiben? Es ist schwer zu lesen, denn ohne Punkt und Komma muss man die Interpunktion selber setzen, um einen Sinn zu erkennen. Auf der einen Seite fühle ich Zweifel, ob ich auch alles richtig verstehe, auf der anderen Seite glaube ich, große Trauer zu erkennen. Ich vermute,es ist auf jeden Fall ein tiefer Einblick in eine seelische Verfassung.
    LG Gabi

  2. Also mir wäre beglückwünschen lieber 😛

    “tiefer Einblick in eine seelische Verfassung”. Vermutlich ging es dem lyrischen Ich ziemlich dreckig. Muss ziemlich wirr in seinem Kopf sein, wenn die Sätze nur zeugmatisch hervorsprudeln.

    Ich habe eine Frage an die Leser:innen.
    Hier wollte ich das Zeugma auf die Spitze treiben. (Zeugma = grammatischer Bruch, bei dem einzelne Wörter oder Wortgruppen in einem Satz gleichzeitig verschiedene, grammatisch nicht kompatible Bedeutungen haben.) Nach Möglichkeit sollte JEDE Wortgruppe als Teil von zwei Sätzen lesbar sein. Dadurch müsste sich eine ewige Kette von Gedanken bilden lassen. Ein Gedicht kann kaum ewig sein, außer ich lasse den Schluss so enden, dass er an den Anfang sprachlich anschließt. Interpunktionell müsste ein musikalischen Wiederholungszeichen folgen.
    Jetzt die Frage: Ist’s besser, dass ich das nicht gemacht habe? Und was heißt hier überhaupt besser?

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