jahresverrückblickend

In rasendem Stillstand zerfliegt uns ein Jahr.
Rastlose Untat vibrierend
verhallt.

Zweitausendzwanzig ist endlich vorbei.
Ewiges sitzen am Schreibtisch
daheim

Soziale Kontakte von Grund neu gedacht.
Fröhliche Parties auf Discord
allein.

Politik und Weltwirtschaft sind immer noch doof.
Traurig und voll Frustrationen
privat.

Jahr der Kontraste
Panik und Paranoia gegen Verharmlosung und Leichtsinn,
Solidarität gegen Egoismus, Abstand gegen Nähe.

 

(Ein poetisches Experiment im Freundeskreis. Eine Strophe provozierte die nächste. Entstanden auf dem privaten Discord-Kanal des Freundeskreises.)

2 Antworten auf „jahresverrückblickend“

  1. Neee. kein Rap. Rap braucht einen treibenden Rhythmus. Dieses Gedicht ist zwar bis auf die Abschlusstrophe (und kleine Variationen in der vorletzten Strophe) metrisch wiederholend. Aber das Metrum setzt immer wieder neu an.
    4-3-1 Hebungen. 4-3-1, 4-3-1, ….
    Für einen Rap geeignet wäre es, wenn die 3-zeiler zu 2-Zeilern komprimiert werden.

    // Soziale Kontakte von Grund neu gedacht. /
    Fröhliche Parties auf Discord allein. //

    Aber gerade die Spannungspause vom jeweils 2. zum 3. Vers fand ich reizvoll. Jede Strophe nimmt neu Anlauf und verläuft sich. Jeden Tag rollt Sysiphos den Stein neu hinauf. EIgentlich habe ich ja nur einen 3-Zeiler schreiben wollen: erste Strophe. Meine Idee dahinter: Rastlosigkeit und das Verhallen der Tat in der Bedeutungsleere ultrakompakt und hörbar darzustellen.
    Daher die Pause nach vibrierend, auf die ein “verhallt” folgt. Vibrieren und verhallen sind so schön lautmalerisch.

    Wirken die Wörter auf auch auch so, dass hier Wortklang und Wortsinn stimmig passen? Bin auf die Einschätzung zu meinem Experiment gespannt.

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